Jugendliche brauchen engagierte Eltern, die verständnisvoll sein sollen und unterstützend, aber sich auch Fehler erlauben dürfen und somit keinen Anspruch auf Perfektion stellen müssen. Sie sollen bemüht und zugewandt und in ihrer Reaktion voraussehbar und verlässlich sein. Ein ständiger Balanceakt, ein Yin und Yang der Erziehung, zwischen Nähe und Distanz, Zulassen von Eigenverantwortung und Anbieten von Hilfe aber auch Grenzsetzung erfordert gute Nerven, viel Toleranz, Gelassenheit und nicht zu vergessen vor allem Humor.
Die Gefühlswelt unserer Kinder ist in der Pubertät ins Wanken gekommen. Dies bezieht sich nicht nur auf die verschiedenen Beziehungsebenen, es betrifft ebenso das körperliche Erscheinungsbild, das Denken und Auftreten des Jugendlichen. Hier können Eltern ansetzen und ihre Kinder positiv unterstützen. Dabei von Wünschen für unsere Kinder auszugehen, welche förderlich für die Bewältigung ihres zukünftigen Lebensweges erscheinen, lässt das Bemühen der Eltern in dieser Hinsicht, auch für den Jugendlichen, positiver erscheinen.
Wunsch 1: Ich wünsche Dir Beziehungsfähigkeit
Pubertät heißt vor allem in Beziehung bleiben, auch wenn es nicht immer leicht fällt, da so vieles stört, ärgert, aufregt und provoziert und es scheint, als wollen die Jugendlichen nur weg von den elterlichen Bezugspersonen.
Das Signal: „DU BIST MIR NICHT EGAL“
….vieles was du tust und wie du bist, schätze ich an Dir. Positives hier zu entdecken und dem Kind immer wieder einmal rückzumelden, stärkt. Zur Pflege unserer Beziehungsfähigkeit wurde uns die Möglichkeit der Kommunikation gegeben. Diese zu unterstützen, Raum zu geben, das der Jugendliche sich anderen mitteilen kann, sagen kann was er oder sie fühlt und denkt, was in ihr/ihm vorgeht, ohne dass ich selber gleich ins „Ratschlagen, Nörgeln oder Predigen“ gehe, sondern durchaus einmal nur zuhöre, stärkt zum Einen, sich in seiner Kommunikationsfähigkeit zu erleben, und zu verstehen, Gemeinsamkeiten zu finden, Freundschaften zu knüpfen und zu reflektieren aber auch Konflikte zu regeln, indem ich Argumente finden muss, meinen Standpunkt zu vertreten.
Wunsch 2: Ich wünsche Dir ein gutes Selbstmanagement, Eigenverantwortlichkeit und Selbstwirksamkeit
Zu diesem Wunschbereich gehört das Gefühl mich in meinem eigenen Körper zu Hause zu fühlen, ein gewisses Gesundheitsbewusstsein zu haben, meine Bedürfnisse zu kennen und zu benennen, ebenso das Gefühl gesehen zu werden und Anerkennung zu erfahren aber auch im wirtschaftlichen Sinn mich einmal selbst versorgen zu können und auch Verantwortung für mein Handeln zu übernehmen.
Eltern stärken, indem sie dem Kind ab und zu für sein Äußeres ehrliche Komplemente machen. „Die Frisur passt dir wirklich gut“ – „Eine sehr geschmackvolle Hose die du gekauft hast“ usw. Jugendliche sind in dieser Zeit ohnehin schon sehr unsicher im „Reinwachsen“ in ihren „neuen Körper und ihre Identität“, da helfen Komplimente und unterstützen in dieser Phase.
Den Jugendlichen zu stärken und zu informieren ohne peinlich zu sein, fällt nicht immer leicht. Informationen können vielfältig sein, ein gute Dokumentation, Infobroschüren oder Filme können Anlass geben in einem „Smalltalk“ sachliche Informationen zu Themenbereichen wie Sexualität, Umgang mit Suchtmitteln, gefährliche Auto oder Mopedfahrten, Mutproben weiterzugeben ohne den Jugendlichen „niederzureden“ oder bloß zu stellen.
Verantwortung für sein eigenes Tun und Handeln zu übernehmen, passiert schrittweise, indem die elterliche Bezugsperson anregt Selbstverantwortung zu übernehmen. „Wie glaubst du, dass wir das Problem angehen können? Was glaubst du, was dein positiver Anteil daran war, das es so gut gelungen ist? Aber auch die Verantwortung eine Konsequenz zu tragen, gehört zum Erlernen der Selbstverantwortung und dem Gefühl der Selbstwirksamkeit dazu. Eine z. B. hohe Telefonrechnung heißt auch, dass ich die Kosten zu tragen habe. Es gilt Lösungen für eine Wiedergutmachung zu finden, ohne die Jugendlichen ständig in der Schuld zu lassen oder ihnen Vorwürfe zu machen.
Auch macht es wenig Sinn Jugendliche, die sich in einer Opferrolle befinden (z. B. bei Mobbing oder sonstigen Problemen mit neuen Medien), noch den Vorwurf zu machen, dass sie durch ihr Verhalten diese Situation hervorgerufen, bzw. verstärkt hätten. In so einer Phase bedarf es der Unterstützung einer Vertrauensperson.
Wunsch 3: Ich wünsche Dir Widerstandsfähigkeit
Unterstützen können Eltern diese durch das ernst nehmen ihrer Kinder in ihren Sorgen und Ängsten. Mit ihnen gemeinsam an Entlastung, Problemlösung und Ideen arbeiten. Die Kreativität des Kindes dabei nicht zu unterschätzen (…“und welche ist für dich eine kluge Lösung?“…) Sie auch immer wieder, wenn sie einmal in der „Sackgasse“ gelandet sind, an positive Situationen, wo ihnen das eine oder andere geglückt ist, erinnern. Gedanken wie „ich muss mit dem Leben nicht alleine fertig werden“, „es gibt für mich Möglichkeiten professionelle Hilfe zu finden“, können ein Schutzfaktor davor sein, in Sucht- und Abhängigkeiten oder „falsche Gruppen“ zu geraten.
Wunsch 4: Ich wünsche Dir Lernbereitschaft und Freude über Erfolge
Dazu zählt seine Fähigkeiten und Interessen zu kennen, aber auch zu differenzieren (z. B. mein Interesse gilt den Tieren – aber muss ich deshalb gleich Tierärztin werden). Vor allem ist es wichtig, dem Kind nicht die Interessen der Erwachsenen aufzudrängen, sondern das Kind selbst entscheiden lassen.
Auch Erfolgserlebnisse und das Gefühl selber etwas bewirken zu können, das etwas Gutes dabei raus kommt (z. B. Vokabeln lernen – dafür eine gute Note erhalten – sich dadurch einen Kinobesuch erarbeitet zu haben – kann mir dieses Gefühl vermitteln) ist in dieser Phase wichtig. Zwar sollten die Kinder unterstützt werden, jedoch wäre es kontraproduktiv, wenn diese Unterstützung darin mündet, dass den jungen Menschen alles aus dem Weg geräumt wird. Erfolge sind wichtig, jedoch auch der Weg dahin, die Bemühung sollte nicht unberücksichtigt bleiben. Der Bereitschaft etwas zu tun, gebührt ebenso Lob als z. B. der positiven Note.
Wunsch 5: Ich wünsche Dir Glücksfähigkeit
Sich freuen können. Ein Grundgefühl, das uns Kraft und Energie gibt. Jungen Menschen soll Zeit gelassen werden auch Kleinigkeiten zu genießen. Aus tiefsten Herzen sich zu freuen, auch wenn es uns ab und zu absurd vorkommt. Sich dafür Zeit zu nehmen und dies dem jungen Menschen vorzuleben lässt unser Leben als sinnvoll erscheinen.
Birgit S.
Sie ist berufstätige Mutter von zwei Söhnen. Hauptberuflich in der Wissenschafts- kommunikation und als freie Journalistin tätig, plaudert sie unter dem Pseudonym „Mutti“ seit 2009 in ihrem Blog aus dem Nähkästchen: „Muttis Nähkästchen“
https://muttis-blog.net
Um Nadel, Faden und Zwirn geht es hier dennoch nicht, sondern vielmehr um Begleitung, Erziehung, Kommunikation mit Kindern, Tipps rund den Alltag mit Kindern, die Behebung des einen oder anderen Wehwehchens und auch ganz viel Scheitern. Das sind Erfahrungsberichte aus erster Hand sowie relevante Inhalte zu Themen, die uns Eltern bewegen – insgesamt möglichst lösungsorientiert.
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